Blasenkarzinom
Die Häufigkeit von Blasenkarzinom
liegt bei 25 von 100.000 Einwohnern, wobei die Erkrankung bevorzugt im höheren
Alter auftritt und Männer zwei- bis dreimal häufiger als Frauen betroffen
sind. Risikofaktoren für Blasenkarzinom sind
eine Reihe von chemischen Carcinogenen, insbesondere aromatische Amine, Benzidin,
Nitrosamine und andere. Für Zigarettenraucher ist das Risiko für
ein Blasenkarzinom 2 – 10 x höher als für Nichtraucher. Nach chronischer
Reizung der Blasenschleimhaut durch Bilharziose ist das Krebsrisiko in der Blase
ebenfalls erhöht.
Blasenkarzinom:
Symptome Das Hauptsymptom bei Blasenkarzinom ist
das meist schmerzlose Auftreten von Blut im Urin. Häufiges Wasserlassen,
Blasenreizung, in späteren Stadien auch Lymphknotenschwellungen können
Hinweise für ein Blasenkarzinom sein. Auch
der
mikroskopische Nachweis von roten Blutzellen im Urin ist weiter abklärungsbedürftig.
Blasenkarzinom:
Diagnostik Die Zelluntersuchung des Urins, die
Kontrastmitteldarstellung der Harnwege sowie die Spiegelung der Blase mit Probeentnahme
sind wesentliche diagnostische Verfahren. Ergänzend sollte eine
Ultraschalluntersuchung und CT-Untersuchung sowie eine Lungenröntgenaufnahme
und Knochenszintigraphie erfolgen.
Gewebearten: Der häufigste Gewebetyp beim
Blasenkarzinom ist das Urothelcarcinom (90 %), daneben finden sich
Plattenepithelcarcinome, Adenocarcinome, kleinzelllige Carcinome und
undifferenzierte Carcinome. Der Differenzierungsgrad wird nach G1 bis G4
beurteilt. Zytogenetische und molekularbiologische Veränderungen beim
Blasenkarzinom sind beschrieben, ihre Bedeutung für die Prognose ist zur Zeit
noch nicht abzuschätzen.
Blasenkarzinom:
Tumorstadien Die Stadieneinteilung
beim Blasenkarzinom erfolgt nach der
klinischen und pathologischen TNM-Klassifikation. Dabei unterscheidet man das
oberflächliche Blasenkarzinom Tis, Ta, T1 N0 M0 vom invasiven Blasenkarzinom T2 – T3b N0 M0 und vom organüberschreitenden und
metastasiertem Carcinom T4 N1 oder 2 M1. Die Prognose
beim oberflächlichen
Blasenkarzinom ist abhängig von der
Eindringtiefe und vom Differenzierungsgrad des Tumors. Bei infiltrierendem
Blasenkarzinom ist der weitere Verlauf von der Eindringtiefe, nachgewiesenen
Lymphknotenabsiedlungen, dem Grad der chirurgischen Entfernung und dem Vorliegen
von Tochtergeschwülsten abhängig, während der Differenzierungsgrad des Tumors
eine untergeordnete Rolle spielt. Blasenkarzinom: Behandlung: Die Behandlung bei Blasenkarzinom ist
abhängig von dem Stadium, so dass Stadiendiagnostik und die sichere
Gewebsdiagnose durch transurethrale Resektion der Harnblase (TUR) Voraussetzung
für das weitere Vorgehen ist. Das oberflächliche Blasenkarzinom mit geringem
Risiko (Ta G1 – 2) wird mit ausschließlicher transurethraler Resektion mit
Quadrantenbiopsien behandelt. Bei mäßiger bis schlechter Differenzierung der
oberflächlichen Blasenkarzinom
e (T1 G1 – 2, Tis) erfolgt anschließend eine
adjuvante wiederholte Blasenspülung (intravesikale Therapie) in Form einer
Immuntherapie (BCG) oder Chemotherapie (mit Mitomycin C, Epirubicin). Bei rasch wiederkehrenden Tumoren mit
mittlerem oder initial hohem Risiko (T1 G3) erfolgt die operative
Harnblasenentfernung (radikale Zystektomie). Bei invasivem Blasenkarzinom
werden Harnblase und angrenzende Lymphknoten operativ entfernt. In Studien wird
die kombinierte Strahlen- und Chemotherapie mit dem Ziel des Organerhaltes geprüft.
Eine primäre Chemotherapie kommt bei allen ausgedehnten Primärtumoren (T4b)
Lymphknotenbefall oder Fernabsiedlungen in Frage. In Studien ist auch ein günstiger
Effekt einer präoperativen Chemotherapie im Hinblick auf Tumorverkleinerung und
bessere Operabilität in den Stadien T2 bis T3 nachgewiesen.
Blasenkarzinom:
Nachsorge
und Rehabilitation Die Behandlung bei Blasenkarzinom hat
je nach Stadium und Tumortherapie Störungen im körperlichen und psychosozialen
Bereich zur Folge, die in den meisten Fällen eine intensive stationäre
und/oder ambulante Rehabilitation in einer qualifizierten onkologischen
Rehabilitationsklinik erforderlich machen. Die akuten Folgen einer Strahlentherapie
in Form einer Blasenentzündung oder von Darmstörungen klingen im Allgemeinen
vier Wochen nach Abschluss der Behandlung wieder ab. Spätveränderungen wie
Gewebsverhärtungen, Schrumpfblase und Verengung des Harnleiters dagegen können
auch noch nach zwei Jahren auftreten. Die operative Entfernung der Blase
(radikale Zystektomie) ist mit erheblichen Einschränkungen für die Patienten
verbunden. Dabei spielt die Art der Harnableitung über Kunstblase, direkte
Harnableitung über Nierenfistel oder Harnleiter-Darm-Ableitung eine wichtige
Rolle für das Auftreten von postoperativen Störungen und Komplikationen. Es
ist daher wichtig, dass die Patienten in der Rehabilitation über
die
Verhaltensweisen und Risiken der künstlichen Harnableitung durch ausgebildete
Fachkräfte, wie sie in onkologischen Rehabilitationskliniken wie der
Sonnenberg-Klinik in Bad Sooden-Allendorf vorhanden sind, informiert werden. Hierbei sollte das Therapieprogramm je
nach Stadium und Therapieergebnis und nach den Ergebnissen der
Aufnahmeuntersuchung folgende Punkte beinhalten: Ø Ärztliche Beratung und Erstellung eines Behandlungsplanes Ø Abstimmung der Therapie mit Vor- und Nachbehandlern, Kliniken, Haus- und Fachärzten Ø Bei Bedarf Fortführung bzw. Einleitung der medikamentösen Tumortherapie, ggf. Schmerztherapie und Ernährungstherapie Ø Informationsvermittlung in Einzelberatung, Vorträgen, Kursen über Fragen zur Tumorbehandlung, Ernährung, Sozialfragen, psychosoziale Begleitung und naturheilkundliche Behandlungsverfahren, Stomaberatung und Anleitung zur selbständigen Stomaversorgung, ggf. Inkontinenzberatung, Information über Patientenselbsthilfegruppen (Deutsche ILKO) Ø Beratung zu Fragen der Sexualität Ø Krankheits- und belastungsspezifische Krankengymnastik in der Gruppe, ggf. Einzel-KG und Beckenbodengymnastik, Inkontinenztraining Ø Allgemeines Ausdauertraining, Ergometertraining und Sportgerätetraining, Gruppengymnastik zur Förderung der allgemeinen Beweglichkeit und Körperkontrolle, Haltungsschule, Ergotherapie Ø Entspannungstraining, psychotherapeutische Einzel- und Gruppengespräche, bei Bedarf Hirnleistungstraining, Partner- und Angehörigengespräche, kreative Therapieformen wie Kunst- und Gestaltungstherapie, Musik- und Tanztherapie Ø Sozialberatung und Beratung zur beruflichen Reintegration Ø Gezielte Ernährungsberatung durch Diätassistenten oder Ernährungswissenschaftler
Ø
Information über notwendige und sinnvolle Untersuchungen in der
Tumornachsorge Wegen der vielfältigen Probleme nach
Therapie vom Blasenkarzinom erscheint eine Anschlussheilbehandlung oder
Rehabilitationsmaßnahme für die Stabilisierung, die Fähigkeit zur
Selbstversorgung und Neuorientierung als eine besonders wichtige Maßnahme. Wir
helfen Ihnen gerne weiter
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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